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Die freudlose Gasse

Roman, REVISITED 8, Moderne Klassiker

Erschienen am 23.08.2011
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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783852862163
Sprache: Deutsch
Umfang: 250 S.
Format (T/L/B): 2 x 20.7 x 13.6 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Wien 1921. In der Melchiorgasse im 7. Gemeindebezirk liegen bittere Armut und Luxus nahe beieinander: Kuppler, erbarmungslose Geschäftemacher und Spekulanten verkehren hier ebenso wie durch die rasende Nachkriegsinflation verarmte Bürger, zur Prostitution gezwungene junge Frauen und das Wiener Lumpenproletariat. Die Hoffnung auf ein besseres Leben scheint hier nur Schimäre. Zwei besonders üble Gestalten in der freudlosen Gasse sind der Fleischermeister Geiringer und die Schneiderin Greifer, die einen Modesalon mit angeschlossenem Nachtklub betreibt. Geiringer erzwingt von zahlungsunfähigen Frauen sexuelle Dienste; Greifer schlägt als bösartige Kupplerin aus dem Unglück junger Frauen Kapital. Auch die junge hübsche Büroangestellte Grete Rumfort lebt mit ihrer Familie in der Melchiorgasse. Sie wehrt sich seit Langem gegen die sexuellen Avancen ihres Chefs, verliert deshalb ihre Anstellung und wird als Folge ihrer Schulden in die bösen Machenschaften Greifers verstrickt. Werteverlust und eine korrumpierte Gesellschaft, Eifersucht und Hunger treiben die Menschen zu Verzweiflungstaten. Die Frage, ob es letztlich zu einer Rettung, einer Verbesserung der äußert kargen Lebensumstände kommen kann, beantwortet Hugo Bettauer auf eindringliche Weise.

Produktsicherheitsverordnung

Hersteller:
Milena Verlag
office@milena-verlag.at
Wickenburggasse 21/1-2
AT 1080 WIEN

Autorenportrait

Hugo Bettauer Geboren 1871 in Baden bei; Gymnasium gemeinsam mit Karl Kraus; Schriftsteller und Journalist, konvertierte 1890 vom Judentum zum Protestantismus. Nach Arbeitsaufenthalten in Zürich, New York und Berlin kehrte er nach Wien zurück, arbeitete für die Neue Freie Presse und spezialisierte sich auf Romane mit sozial engagierten Themen. Bettauer gehörte zu den umstrittensten und den erfolgreichsten Autoren seiner Zeit. 1925 wurde er in seinem Büro in der Lange Gasse in Wien-Josefstadt von einem illegalen NSDAP-Mitglied erschossen und wurde damit eines der ersten Opfer des NS-Terrors. Die freudlose Gasse erschien erstmals 1924. Im MILENA Verlag erschien 2009 Bettauers Kriminalroman Hemmungslos.

Leseprobe

Von einem abscheulichen Kerl ist ja keine Rede, Fräulein Grete! Ich denk an einen feschen, eleganten Herren, der Ihnen gefallen wird. Und Sie brauchen sich ja nichts zu vergeben, gar nichts! Die Männer von heutzutag sind ja gar nicht so, daß sie gleich alles wollen. Wenn Sie gescheit sind, dann halten Sie ihn hin, so lange es Ihnen paßt. Ich kenn einen feinen Herrn, einen schönen, stattlichen Mann, er heißt Löhner und ist furchtbar reich. Wenn Sie den richtig zu behandeln verstehen, so können Sie Millionen, Schmuck, Perlen, Kleider von ihm haben - was Sie wollen. Verlassen Sie sich nur auf mich, Fräulein Grete, ich wer Ihr Glück schon machen. Wenn ich das nicht genau wüßt, hätt ich doch nicht das viele Geld für die Kleider kreditiert. Ich bin ja selbst eine arme Frau und muß schauen, daß ich zu meinem Geld komm. Aus den Pfoten der Katze, die eben noch geschmeichelt und gestreichelt hatte, fühlte Grete die Krallen auftauchen. Zitterndes Angstgefühl bemächtige sich ihrer und doch auch wieder der Wille zum Leben. Millionen, Kleider, Juwelen - und das alles vielleicht nur für einen flüchtigen Kuß, an dem ihr Herz nicht beteiligt sein würde. Pah, das konnte man riskieren, das wusch man wieder mit Seife und Wasser ab, wie einen Rußfleck! Die Türglocke hatte geläutet und nun kam Fräulein Henriette mit zwei eleganten jungen Damen herein. Die eine, eine wahrhaft junonische brünette Erscheinung, die andere klein und zierlich wie eine Puppe. Beide trugen Pelzmäntel, die sie jetzt ablegten. Stark dekolletierte Abendkleider und viel Schmuck kamen zum Vorschein. Frau Greifer stellte vor: Fräulein Lona und das kleine Fräulein Gisis. Das ist Fräulein Grete, die jetzt schweren Kummer hat. Ich wer ihr schon helfen, auf mich kann man sich verlassen, was, meine Damen?

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