Beschreibung
"Wäre Jan Drees eine Band, ich würde in der ersten Reihe stehen und seine Lieder laut mitsingen." Mathias Hielscher, Virginia Jetzt! "Ich glaube nicht mehr an uns. Es geht mir (jetzt, bloß) darum, ein Leben zu bekommen, irgendeines. Ich will vergessen und wünsche mir gleichzeitig doch, dass alles ein bisschen wie früher wird, dass alles wie früher werden kann. Wie damals, als es anfing. Im April, Mai, Juni. Wir waren schrecklich jung und flüsterten nachts von Springbrunnenrändern im Park über Zitronenkerzen hinweg. Inzwischen geht alles vorbei, im Junimond. Ich weiß, dass wir uns nicht mehr wirklich lieben können, wenn draußen kein Sommer werden will und drinnen kein bisschen Wärme, wenn wir insgeheim fragen, was in drei langen Jahren alles verlernt werden kann." Jan Drees' melancholischer Roman über die große Liebe ist das ernüchternde Psychogramm einer Generation, die Utopie suchend in den Tag hinein lebt, dabei aber unfähig ist, wenigstens ein kleines Glück festzuhalten.
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Eins . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Ich glaube nicht mehr an uns. Es geht mir (jetzt, bloß)darum, ein Leben zu bekommen, irgendeines. Ich willvergessen und wünsche mir gleichzeitig doch, daßalles ein bißchen wie früher wird, daß alles wie früherwerden kann
Wie damals, als es anfing, mit Nebil, der mich jedenTag nach den Uni-Seminaren in den Arm nahm undleidenschaftlich auf den Mund küßte. Im April, Mai,Juni. In diesen Monaten verbrachten wir späte Abende aneinem Baggersee, badeten nackt in dem sich leicht abkühlendenWasser und blieben am schmalen Stadtstrandliegen, bis es nicht mehr kühler werden konnte."Es sind immer noch dreiundzwanzig Grad!" rief ichbegeistert zu Nebil hinauf, der im nächtlichen Schattenlag und mich beschützte. Meine Erinnerung daran:Picknicke und späte Mücken, die sich auf unsere rostbrauneHaut setzten, kleine Feuerpunkte hinterließen.Wir tranken DiscountProsecco zu Erdbeeren, in dieman greifen konnte, um klebrig zu werden. Nebiltauchte mit mir unter mondlichtbeschienenen Flusenalgen.Manchmal fanden wir ein wind, sicht undbrennesselgeschütztes Dunkelwaldfleckchen, von wogemeinsam kitschige Plejadennebel zu betrachtetenwaren. Glühwürmchen gab es, auf dem Heimweg,zwischen Ginster. Beim Türken kauften wir Melonenviertel oder in verschiedenenschattig-kühlen Buchgeschäften Südfruchtprosa,die wie Kandis schmeckte und beimLesen schmolz, als wäre sie Himbeereis: Es begann,mir zu gefallen. Es fing an, daß ich genauso schreibenwollte, als dufte das Papier wie eine Kinopopcorn-Tüte. Weil wir schrecklich jung waren, flüsterten Nebil undich nachts von Springbrunnenrändern im Park überZitronenkerzen hinweg Cocktail-Neckisches. Mit Nebilist es wunderbar, liebtrunken ein Bald, ein Später, einIrgendwann anzutasten, wankend, kaum Karabiner gesichert,Steilwände hinab. Wir beobachteten irritiert glücklich sirrende Fledermäuse,die aus Tannenwaldgrotten flappten, unserenHügel (über der schimmernden Stadt) umrundeten,die kleine Öllaterne, im Sommer: Gänsehautarme,Benjamin-Biolay-Chansons, und während schwülerAugustabende manchmal stilles Gewitterblitzen amfernen Horizont. Später, um Viertel nach drei, duschten Nebil und ichNachthitze aus unseren verliebt erwärmten Teeniekörpern, siriusgeleitet, während Sonnenwindfeuer,Elfen, Kobolde vor dem Bleiglas-Badfenster tanzten.Danach lagen wir perlschaumweinsüchtig erschöpft,verschwitzt, im moskitonetzgefälschten Himmelbett.Über uns funkelten angeklebte Plastiksterne mit Phosphorschimmer. Inzwischen geht alles vorbei, im Junimond. WennMond ist und keine Regenwolken durch die kühlkaltenNächte ziehen und unsere Sternenbilder verhängen,wenn Schauer schon morgens auf das Giebeldachschlagen und Wasser durch die Holzdecke in unsereZimmer tropft, von Ziegeln gewaschenen Ruß übereilig aufgestellte Suppenterrinen, Putzeimer, Bonbonnierenspült. Wir verleben (abschließend) Tage, die wie ein Schlüssellochbildan uns vorübernebeln. João Gilberto singt"The Girl from Ipanema". Während sporadischer Off-Theater-Besuche wirddeutlich, daß ein zeitgeistiges Bühnenkreischen eherEdvard-Munch-Pop sein will (im Gegensatz zu klassischenPornographiefilmschreien). - Wenn wir unsstreiten, werde ich GroßstadtActrice und imitiere moderneRenéPolleschSzenen.